Samstag, 30. September 2006

Living the Life of Father Reilly

Die Story ist so gut, dass man sie in Ruhe geniessen muss ... was man Dank der amerikanischen Offenheit auch kann - im Sonnenscheinstaat Florida wurden zwei Iren verhaftet, die belogen und betrogen haben sollen, so um die $ 8.600.000 munkelt man. Was ja nun noch schlimmer ist: Die älteren und vertrauenswürdig wirkenden Herren von der Grünen Insel haben auch noch in der Kirche geklaut! Um damit Münzsammlungen, das Hobby Golf und auch flotte Mädels zu finanzieren, heisst es jedenfalls. Kann man sowas noch toppen? Ja klar ... denn Francis Guinan und John A. Skehan sind nicht nur einfache Trickbetrüger, nein, die beiden sind katholische Pfarrer! Da fällt man doch von Glauben ab ...

Das Delray Beach Police Department (von dem auch die links abgebildeten netten Portraits der beiden Gottesmänner stammen) jedenfalls hat jetzt reichlich zu tun, wie Detective Thomas Whatley der Presse sagte: "The dollar amount is constantly changing!" Auch der Bischof hat jetzt einen "forensic accountant" auf seine zwei Kollegen angesetzt. Hier die besten Links zum Weiterlesen:


Übrigens: Father Skehan soll ein nettes Cottage an den Cliffs of Moher und einen Pub gleich in der Nähe besitzen ... er wurde auf dem Flughafen von Palm Beach verhaftet, als er gerade aus Irland zurückkam. Father Guinan dagegen ist derzeit noch auf einer Kreuzfahrt (... mit dem Schiff, nicht was Sie jetzt viellecht denken ...) in Australien. Vielleicht bleibt er ja da. With all de Oirish convicts ...

Irische Segenssprüche

Nun 'mal ganz ehrlich - gehen Ihnen nicht auch Leute auf den sprichwörtlichen Sack, die im Irish Pub in Mönkloh jedes Schlückchen Bier mit einem pathetischen "Möge die Erde rund sein für Dich und der Teufel immer auf der anderen Seite ..." einläuten müssen. Da kommt man ja gar nicht zum Trinken. Und muss sich dieselben Sprüche immer wieder anhören. Nervig.

Wie wäre es denn, wenn Sie selbst die nächste Runde ein wenig auflockern? Im passenden Moment (eine besinnliche Stille nach dem Verklingen des letzten "haaaaaach-hach" der im Hintergrund dudelnden Enya-CD macht sich da ganz gut) stehen sie auf, erheben Ihr Glas, blicken dramatisch in die Runde und verkünden mit Grabesstimme: "I am now going to shed a tear for Parnell!" Nehmen einen Schluck und ... gehen auf's Klo. "To shed a tear for Parnell" ist nichts weiter als eine irische Phrase mit der Bedeutung "ich geh 'mal pinkeln". Aber es dürfte unschlagbar sein, wenn die Runde tatsächlich feierlich die Gläser erheben und murmeln sollte: "A tear for Parnell!"

Freitag, 29. September 2006

Druckfehlerteufel

Weil im Gesetzestext zur Alkoholkontrolle ein Druckfehler (eigentlich Satzfehler) vorkommt, kann man jetzt in Irland fröhlich besoffen Auto fahren. Solange man nur bei der ersten Kontrolle den Test verweigert, denn dann wird eine Strafverfolgung auf Basis der zwangsweisen Nachkontrolle so gut wie unmöglich. Das mussten die irischen Behörden heute auf Nachfragen der Medien bestätigen. Welch eine Grossleistung - und das in der Woche, in der Irlands Verkehrssicherheit wieder von allen Seiten als eine einzige Peinlichkeit entlarvt wurde!

Guinness Book of Records 2007

Der neue, aktuelle Band ist da, sinnloses Wissen in geballter Form. Mit drin auch eine Auswahl irischer Rekordhalter. Vor allem im Bereich Musik. Westlife etwa ist die Combo mit der längsten Reihe von Top-5-Singles in den UK Charts. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre gebührt Daniel O'Donnell der Titel des dauerhaftesten LP-Künstlers mit Erfolgen von 1991 bis heute. Kaum eine Überraschung ist die Tatsache, dass U2 (iPod-Werbeschaffende und im Nebenberuf Leonard Cohens Backgroundkapelle) die grössten Geldscheffler der Rockwelt sind. Etwas ungewöhnlicher ist dann schon die Meldung, dass der Welt schnellster Truthahnrupfer aus Cavan kommt. Pluck that!

Promis zu Gast

Das Wochenende ist gepackt mit Promis, die Irland einen Besuch abstatten. Freude! Jubel! Da wäre ganz oben Bill Clinton, der sich unter anderem mit Bertie zum Frühstück trifft. Ich kann mir lebhaft die Konversation vorstellen:

"Bertie, Du siehst so mitgenommen aus ... alles klar in Drumcondra?"
"Ach Bill, ich habe da so 'ne Sache an der Backe, mit Geld, alles wegen meiner Ex und der Trennung ..."
"Gott, ja, Weiber - wenn das Luder damals nur ordentlich geschluckt und nicht auf's Kleid gekleckert hätte!"
"Noch ein Lachshäppchen?"

Terry Wogan ist auch in Dublin. Und Paris Hilton. Und "The Hoff" ... da bleibt einem fast nur noch, ein Lied anzustimmen: "God save Ireland!"

t.shok - Irlands schlechtester Rapper

Langsam ist es auch dem letzten birdbrain klar - t.shok ist Irlands schlechtester Rapper. Jedenfalls versucht der Eastside-Homie, The Artist Formally Known As Bertie Ahern, auf alles einen Reim zu machen. Und nichts klappt dabei. Während der Dail sich in seiner gut gelegten Abwesenheit (ein Tag Parlament am Stück ist genug) mit seinen Finanzaffairen beschäftigt und ihm der Tanaiste noch die Stange hält, da kamen schon neue Hiobbotschaften. Wie diese: t.shoks Hang zum bling war auch in Manchester bekannt, wo man ihm satte £ 8.000 in die kleinen klammen Händchen drückte. 1994 schon. Und selbst Michael McDowell brach da aus der vereinten FF-PD-Front aus und raunte, dass es hier einiges zu erklären gäbe.

t.shok kam auch gleich mit einer Erklärung - in Manchester sei er als Privatperson gewesen, nicht als Minister. Yo, homies, swallow dat an' shut da f*ck up!

Die "Boomtown Rats" habe ich jetzt aus dem CD-Spieler verbannt. Dafür läuft jetzt Coolio. Gangsta's Paradise.

Donnerstag, 28. September 2006

Dublin Daze

Kriminalität sei unbekannt in Irland, so propagieren es deutsche Internetseiten gerne. Alles ist supitolliwunderbar auf "unserer Insel". Fanden einige Leute dieser Tage nicht. Auf ihrer Insel, der alltäglichen, nicht dem Urlaubsparadies für Eskapisten. Entführungen und Hinrichtungen auf offener Strasse stören doch etwas die grün-rosa Idylle. Der Gipfel war jedoch der Mordversuch an einem Polizisten, der ein zuvor beschossenes Haus in Crumlin besuchte. Aus einem vorbeifahrenden Auto wurde der Garda Sergeant mit einer Schrotflinte über den Haufen geschossen und überlebte schwer verletzt. Die Täter konnte man schnell dingfest machen, nachdem sie ihren Fluchtwagen nur wenig weiter crashten. Was sie selbst vielleicht nicht unbedingt mitbekamen und was niemand so recht verwunderte. Die versuchte Entführung eines Vans zur weiteren Flucht ging in die Hose, als der osteuropäische Fahrer nicht nur von einem Warnschuss unbeeindruckt war, sondern die zwei Männer auch noch bis zum Eintreffen weiterer Gardai festhielt. Die Zwei waren so vollgepumpt mit Koks, dass sie flogen ... einer musste sogar wegen Überdosis behandelt werden. Übrigens waren die scumbags gerade einmal 15 und 17 Jahre alt, der vielversprechende Nachwuchs sozusagen. Diese Schiesserei stand übrigens nicht im Zusammenhang mit einer Schiesserei nur eine Meile entfernt, rund elf Stunden vorher wurde Gary Bryan in Walkinstown mit fünf (!) Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Kriminalität unbekannt ... my arse! Kommentare im üblich sinnentleerten Format wie "in Berlin gibt es auch Schiessereien" oder auch "Dublin ist ja nicht Irland" bitte hinterlegen bei www.wirlassenunsunserirlandnichtvermiesen.de ...

Kerry Katona ist nichts zu peinlich

Kerry, Ex-"Atomic Kitten" und Ex von Brain McFadden, ziert (naja ...) einmal wieder das Cover irgendwelcher Z-List-Celebrity-Magazines. Diesmal mit ihrer Autobiographie. Ja, gibt es denn noch nicht genug Leid in dieser Welt? Auf einer Titelseite gibt die feiste Ex jedenfalls bekannt: "Ich wusste, dass Brian gelangweilt war, als ich für ihn einen Lapdance machte und er mich nicht einmal ansah!" No shit, Sherlock! Nun ist Brian ja Lapdance-geschädigt, der letzten bekanntgewordenen Künstlerin aus diesem Metier durfte er bekanntlich eine satte Abfindung zahlen (... nach seiner denkwürdigen "stag night"). Oder war das Poledance, also um die Stange tanzen? Und wenn schon Lapdance, dann ist man(n) ja auch den freundlichen Blowjob danach gewöhnt, oder? Was auch immer ... diese Story verblasst doch gegen Kerrys Aussage: "Meine Mutter gab mir Rauschgift und sagte, das sei Brausepulver!" Früher Kontakt mit Drogen wird ja allgemein auch als Ursache für bleibende Hirnschäden angesehen ... fällt mir nur gerade so ein. Ohne Zusammenhang.

Michael McDowell hat Humor!

Nein, ehrlich! Der Justizminister, PD-Führer und Tanaiste war ja bislang in den Augen mancher Kritiker wohl eher mit dem Bild eines tollwütigen Rottweilers in Verbindung gebracht worden. Jetzt aber scheint das Image sich zum kleinen Spassvögelchen zu wandeln. Anders kann ich mir seine Stellungnahme zu Berties "Ehrenschulden" nicht erklären. Er nannte Berties Annahme von € 50.000 "Trennungsgeld" einen honest error of judgement.

Im Kontrast zu einem dishonest error of judgement? Irrtum ist Irrtum, nur Absichten können ehrlich oder unehrlich sein. Aber wahrscheinlich ist das nur wieder der Erbsenzähler in mir, der da hochkommt. Anyway ... McDowell impliziert also, dass Bertie das Geld nicht hätte annehmen sollen. Was ja schon 'mal ein Anfang ist. Und dann hat der Rottweiler ... äh ... Justizminister ja noch angedeutet, dass er erwartet, dass Bertie nun die Darlehen mit Zinsen zurückzahlen wird. Wahrscheinlich gegen heftigen Widerstand seiner Gläubiger. Womit McDowell Bertie zumindest einen eleganten Hinterausgang offenhält. Was man vom kleinen Koalitionspartner auch erwarten kann.

Ach ja, kurzer Nachtrag zum Begriff "Ehrenschulden" - dieser, in der englischen Form debt of honour zumindest, war ja von Bertie selbst ins Gespräch gebracht worden. Ich sehe das so: Schulden hat man bei der Bank, mit einem Vertrag und klaren Regelungen, Geschäftbeben. Ehrenschulden dagegen hat man bei Freunden. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass man sie um der Ehre wegen so schnell wie irgendmöglich abbezahlt. Aber mit der Ehre ist es so ein Ding ... erinnern Sie sich noch an Uwe Barschel? "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort ..."

Smuggler's Blues

Sie kennen bestimmt noch diese Szenen aus "Miami Vice" ... Nacht über den Everglades, ein rostiges Wasserflugzeug mit einem ungewaschenen und etwas behaschten mittelamerikanischen Piloten kommt im Tiefflug daher, einige Pakete plumpsen heraus. Mit löchrigen Fischerbooten wird das Schmuggelgut an Land gebracht. Das waren die 1980er, das war in den USA. In Irland im XXI. Jahrhundert hat man es bequemer - wie die Beschlagnahme eines irischen Business Jets in Belgien, die Festnahme von zwei Besatzungsmitgliedern und einem Passagier sowie der Fund von fünfzig Kilo Kokain zu beweisen scheint. Denn die Schmuggelaktion war an sich keine, in Irland wäre der Koks unbehelligt angekommen, im Rahmen eines Geschäftsfluges eben. Warum? Weil man sich des Weston Airport bei Dublin bediente - ein Flugplatz speziell für Hobby- und Geschäftsflieger. Mit einem ungeahnten Vorteil ... es gibt dort trotz reger internationaler Flugtätigkeit weder ständig besetzte Immigrationskontrollen noch Zollabfertigungen! Schon seit einiger Zeit ist es bekannt, dass man in Weston bequem landen kann. Und dass man sowohl die Einwanderungsbehörden als auch den Zoll von sich aus informieren muss, wenn man für sie interessante Passagiere oder Fracht an Bord hat. Zuletzt wurde dies durch einen Bericht im Village angemahnt, da noch im Zusammenhang mit Terrorismus. Offensichtlich haben die Koks-Flieger den gewissen Vorteil nutzen wollen. Und nicht vorgehabt, ihre Ladung ordnungsgemäss zu deklarieren. Pöse Purschen!

Mittwoch, 27. September 2006

Bertie, das Geld und ...

... Schweine werden fliegen! Bertie Ahern hat jetzt erklärt, was es mit den Zahlungen von rund € 50.000 an ihn in den Jahren 1993 und 1994 auf sich hatte. Ja, er hat Geld bekommen. Ja, er brauchte Geld für seine Trennung. Ja, prominente Geschäftsleute hätten ihm das Geld als Freunde gegeben. Aber das sei ja nun alles nicht ganz so schlimm. Denn das Geld sei ja nur ein Darlehen gewesen. Emotionell sichtlich mitgenommen beteuerte unser aller Häuptling, der letzte Sozialist, dass nichts Unrechtes geschehen sei. Wie der Examiner schreibt: In a highly-charged interview, the Taoiseach came close to tears when referring to the break-up of his marriage, his two daughters, and the separation agreement that led to the loss of his life savings and his house.

Ich hol' mir 'mal eben eine Zwiebel, um mitweinen zu können.

Denn, wie man aus Berties Munde weiter hören konnte (ebenfalls aus dem Examiner zitiert): He insisted the money was paid to him as a loan or "debt of honour" that he would repay in full. He admitted he had not repaid the loan, but said that all those involved in lending him the money had refused to take it back.

Wo denn das fliegende Schwein wieder über meinem Kopf zu kreisen beginnt ... Und ich mich darauf freue, wenn heute endlich die dreimonatige Sommerpause des Dail beendet wird und man in der ersten Sitzung gleich einmal Bertie grillen dürfte. Wo ist meine CD von den "Boomtown Rats"? Ah, hier ... und nun alle: "Banana Republic, Septic Isle ..."

Dienstag, 26. September 2006

Ryanair und die Erste Hilfe

Heute ganz kurz im Radio (RTÉ 2fm) aufgeschnappt - nachdem ein weiblicher Passagier, die an Bord eines Ryanair-Fluges zusammenbrach, verstorben ist, haben Mitpasssagiere Vorwürfe erhoben. Die Erste-Hilfe-Ausstattung der Maschine sei keineswegs ausreichend gewesen. Was das nun genau heissen soll? Keine Ahnung, Arztkoffer wird der No-Frills-Flieger wohl nicht an Bord haben. Und die Meldung ist auf der RTÉ-Webseite auch nicht zu finden. Ryanair selber sagt auf der eigenen Nachrichtenseite gar nichts, wie auch nicht zu dem vergifteten (?) Piloten. Beim Indo findet man jedoch wieder was ... Ryanair is insisting all its flights have the required equipment on board to deal with a medical emergency. ... A nurse who attempted to revive the woman mid-air said the Ryanair staff could not provide some of the basic first-aid equipment. Quelle: Unison.ie Breaking News

Gaybo goes Trivial

Gerade mit Onkel Gaybo vorgestellt: Trivial Pursuit gibt es jetzt auch in einer irischen Ausgabe. Nicht auf Irisch (wäre dann auch nicht der Verkaufsschlager), sondern mit "irischen Fragen". Nach einem Probequiz kann ich mitteilen: Die Fragen sind okay für Leute, die sich viel mit irischer (Alltags-)Kultur beschäftigen. Wer in Irland schon ein paar Tage lebt, der (oder die) dürfte nicht allzu blöd dastehen. Das war die gute Nachricht. Die noch bessere Nachricht: There is not a Gaybo for everyone in the pack ...

Montag, 25. September 2006

This is your Captain speaking ... aaaaaargh!

Leichtes Chaos auf einem Ryanair-Flug: In Stansted war man noch normal gestartet, dann kollabierte der Kapitän und angeblich 15 Minuten vor der Landung in Derry dreht man wieder nach Stansted um. Lebensmittelvergiftung heisst es (... war es nicht immer in den Airport-Filmen der Fisch?). Ich frage mich gerade, ob eine Viertelstunde vor der Landung in Derry nicht weiter als 15 Minuten von Stansted entfernt ist? Und ob Belfast oder Birmingham nicht näher sind? Muss ich das verstehen?

Es hätte so schön werden können ...

... dachten sich bestimmt einige irische Politiker, die heute feierlich den "Monaghan Bypass" auf der N2 einweihten. Was ein kleines Volksfest werden sollte, endete mit einem Polizeieinsatz. Um den Ceann Comhairle of the Dáil, Rory O'Hanlon, vor einer aufgebrachten Menge aus etwa 10.000 Bürgern zu schützen. Was war passiert? Nun ja - man hatte sich daran erinnert, dass die Regierungskoalition gerade das Monaghan Hospital noch weiter kaputtmacht. Und man bald ohne medizinische Akutversorgung dasteht. Da wurde man dann etwas wütend ...

Bertie the Boogieman

Kein Kommentar nötig - Bertie in der Disco als kostenloser Download! Right on, man!


www.play.ie

Sonntag, 24. September 2006

Going Postal

Es gibt Momente, da zweifle ich am Verstand der Menschheit. Gut, nicht generell - aber einzelner Individuen zumindest. Oder zumindest an meinem Verstand. Nehmen wir doch einmal die Frage, wohin ein Päckchen von einem Kilogramm Gewicht billiger ist, nach Nepal, Lagos, Buenos Aires oder Wuppertal? Wenn man es mit An Post schickt, dann kostet es laut An-Post-Webseite überall hin in der weiten Welt € 20. Nur nach Europa kostet es € 24. Wahrscheinlich, weil Europa so weit weg ist. Oder weil man in Europa nur Lufpost verwendet?

"The Expected One" von Kathleen McGowan

Wenn Sie den "Da Vinci Code" (zu Deutsch "Das Sakrileg") genossen haben, werden Sie auch dieses Buch mögen. Noch mehr sogar. Der Inhalt ist zwar genauso zusammengestückelt wie Dan Browns Kolportageroman, und der Stil nicht minder hölzern, aber Kathleen McGowan hat das, was Dan Brown (und auch Baigent & Leigh und sogar Sauniere) nicht hatte - nämlich das Blut von Jesus und Maria Magdalena in den Adern! Holy Cow!

Das Buch ist eine Art Detektivgeschichte, die sich nur wenig vom da-Vinci-Kot unterscheidet. Junge Frau, direkt aus der Blutlinie Jesu, geht auf Europatournee und entdeckt Hinweise in den Werken von Botticelli und Leonardo, in den Papieren der Borgias und der Medicis sowie in Isaac Newtons Hinterlassenschaft und auf einem Milchkarton im Mülleimer Ratzingers. Gut, letzteren habe ich erfunden. Musste sein, denn nichts, aber auch gar nichts in dem Buch erschien mir wirklich aufregend neu. Der Name der Frau, Maureen Paschal, wird irgendwann als dezenter Hinweis entlarvt ... wer hätte es geahnt? "Maureen Essias" wäre schwieriger zu entdecken gewesen. Exakt wie im Brown-Buch taucht auch ein adliger Kenner der Materie auf - Lord Berenger Sinclair mit seinem Schloss im Languedoc. Pleeeeeeeeeeeeeze ... der russisch-polnische Exiladlige Stanislaw Graf Kowalski mit einem Apartment in New York wäre ja schon klischeehaft genug gewesen (... warum reicht nicht einfach 'mal wieder ein durchgeknallter Taxifahrer?). Aber ein englischer Peer (da-Vinci-Code) in Frankreich (da-Vinci-Code), genauer im Languedoc (Baigent & Leigh, Jean Marcale, Otto Rahn ad nauseam), mit Namen Berenger (der Dorfpfarrer von Rennes-le-Chateau rotiert im Grab) Sinclair (Plantard, Roslyn, Gralshüter aller Länder - vereinigt Euch!) ist weniger subtil als die ganz grobe Holzkeule.

Das Buch ist schlichtweg Mist. Und (meiner Meinung nach) wie ein hastig aus bekannten Werken zusammengestückelt wirkender Mist noch dazu. Wenn man es direkt als Plagiat eines Plagiats bezeichnen würde, würde man allerdings wahrscheinlich Post von den Anwälten Ms McGowans bekommen. Oder gar Ärger mit einer höheren Instanz?

Denn das Buch hat hat zum Ende schliesslich enormen Unterhaltungswert: Die Fiktion ist zwar par mit Perry Rhodan und John Sinclair ... aber so richtig zur Komödie wird es erst im Nachwort. Hier gibt Kathleen McGowan bekannt, dass es ja eigentlich keine Fiktion ist. Alles ist wahr. Zweitausend Jahre Indizienbeweise, die Werke da Vincis etc.pp.blablabla, das alles beweist es. Auch ihre eigenen Forschungen und Quellen, die sie leider nicht bekanntmachen kann. Und ... Jetzt hebt sie ab und völlig losge-he-löst ... dann ist da ja noch ihr "Ahnenpass", Dokumente aus ihrer Familie, die es beweisen sollen (die aber keiner sehen darf) - Kathleen ist eine Nachkommin von JC himself, mit Maria Magdalena am Anfang der Ahnenreihe. Also gewissermassen Kathleen O'Christ. Kathleen McJesus. The Expected One. Jesus weeps ...

Da fallen mir gerade spontan die letzten Worte in Phil Lynotts Klassiker "Kathleen" ein: "Now shut up and go to bed!" Was ein frommer Wunsch bleiben wird, denn die echte Erbin des Erlösers hat gleich noch zwei Bücher avisiert. Lord have mercy on us ...

Schnappschuss - Sicher ist sicher!

Trinity College hat einen eigenen Sicherheitsdienst ... dessen Dienstfahrzeug schlägt die Garda-Kleinwagen noch um Längen (und Breiten und Höhen). Aber immerhin kommt man damit überall durch!

Samstag, 23. September 2006

Fliegende Berge aus Irland

"In Wien sind Reisen ja noch einfacher zu organisieren als im Südwesten Irlands." Eine geradezu philosophische Erkenntnis von Christoph Ransmayr (Autor)

"So hinreissend im Einzelnen die Sequenzen auf Horse Island, die grossirische Verblendung des Vaters und der digital-agronomische Heroismus der Söhne gezeichnet sind - der Irland-Teil bleibt Annex, worauf nicht nur seine Episodenhaftigkeit hindeutet, sondern auch, dass der Erzähler fast mechanisch (über Metaphern, sich kreuzende Bildfelder oder Themen) auf ihn umschaltet, wenn die Wirkung der Hochgebirgsszenen sich zu erschöpfen droht." Andreas Breitenstein in der NZZ über Ransmayrs neues Buch "Der Fliegende Berg"

"Was, wenn Ransmayr seine Geschichte in Österreich angesiedelt hätte? Die irische Familie, wie er sie in ihren Kämpfen und Krämpfen entwirft, gibt es auch im katholischen Österreich; die Konstellation der beiden Brüder ist ohnedies eine geradezu universelle, und der Dachstein hat auch noch seine Mythen und Legenden, die längst nicht zuende erzählt sind. Braucht Ransmayr, um seine Geschichte erzählen zu können, das extremistische Sujet, immer noch eine letzte nach der allerletzten Welt?" Karl Markus Gauß zum selben Werk

Entführter Helfer wieder frei

Donal Ó Súilleabháin, der vor fünf Tagen in Äthiopien entführt worden war, ist wieder auf freiem Fuss. Der 41jährige Rotkreuz-Mitarbeiter aus Sligo war zusammen mit einem äthiopischen Kollegen von Unbekannten verschleppt worden.

Cruiser als Umweltverschmutzer

Schwere Vorwürfe gegen die Freizeitkapitäns-Industrie erhebt der Grünen-Abgeordnete Paul Gogarty - betont aber, dass es sich bislang nur um Hinweise handelt, Beweise noch ausstehen. Konkret soll ein grosser Bootsverleiher auf dem Shannon dazu aufgefordert haben, den Inhalt der Bordtoiletten schlicht in die irische Natur zu "entsorgen". Gogarty in einer Pressemitteilung: "I have been contacted by a couple returning from a cruise on the Shannon who claim that, having enquired about pump out stations for waste matter, they were specifically instructed to dump their toilet waste directly into the river. They say that this was not an isolated incident and that numerous other customers they met during their journey were instructed to do the same thing." Was für 'ne Scheisse! Die Environmental Protection Agency soll nun ermitteln. RTÉ hat die Story noch nicht aufgegriffen, breakingnews.ie ist aber schon am Ball.

Freitag, 22. September 2006

Bono schimpft mit dem Sudan

Sankt "Rent-a-Quote-on-the-Badness-of-the-World" Bono tingelte heute morgen wieder durch alle Radionachrichten. Mit stockender Stimme, vor einem Chor kreischender Teenies, in wenig eloquenter Weise machte das schlechte Gewissen des weissen Mannes darauf aufmerksam, dass der Sudan nicht nett sei. So als Staat an sich. Wegen Darfur. Ich kann die Machthaber dort schon in ihren Stiefeln (Sandalen? Guccis?) zittern sehen - die OAU konnten sie narren, die UN an der Nase herumführen, aber jetzt schlägt U2 zu.

In mir regt sich auch Emotion. Natürlich muss man im Sudan etwas tun, das wissen wir alle schon seit vielen Monaten ... und wenn die (angebliche) Weltgemeischaft nicht bald den Arsch hochkriegt, dann haben wir da ein neues Rwanda. Oder Armenien. Oder "Drittes Reich". Einen kleinen, intimen Völkermord jedenfalls. Aber seit der NATO-Bombardierung Jugoslawiens, dem NATO-Krieg gegen Afghanistan und der Irak-Invasion scheint ja die Luft irgendwo raus zu sein. Morier pour Darfur? Non! Da dann doch lieber in den Libanon. Die Grossmächte der Welt können "surgical strikes" per Bombe zielgenau ausführen (Okay, über die Chinesische Botschaft reden wir jetzt 'mal nicht ...), Bin Laden und die Taliban besiegen (... irgendwann vielleicht ...), die Ölversorgung für SUVs sichern (Surely you mean "bring democracy and peace to Iraq"?) und was sonst noch alles. Aber es soll nicht möglich sein, ein drittklassiges Regime zur "Kooperation" zu überreden und ein paar durchgeknallte Kavalleristen mit AK47 am Sattel ausser Gefecht zu setzen? Und das soll sich ändern, wenn ein steinreicher Sänger mahnend die Augebrauen hinter der obligatorischen Sonnenbrille runzelt?

Bono - shut the f*ck up! World - get your finger out and use the big stick ...

Bertie und das liebe Geld

Oder sollte es besser heissen "Berties Liebesgeld"? Der letzte Sozialist Irlands ist jedenfalls in leichten Erklärungsnöten. Das Mahon Tribunal darf sich jetzt mit Zahlungen beschäftigen, die Bertie einst als Finanzminister von irischen Unternehmern kassiert hat. Nicht Parteispenden, sondern persönliche Zahlungen. Und was noch pikanter ist - mit den Geldern durfte Bertie sich aus seiner gescheiterten Ehe freikaufen ... äh ... die Unkosten der Trennung von seiner Ehefrau decken. Nun betont Ahern, er habe nichts illegal gehandelt. Das mag stimmen, rein formaljuristisch, aber der Opposition kann solch eine Story nur wie ein Geschenk des Himmels erscheinen.

Donnerstag, 21. September 2006

Irisches Gericht ordnet zwangsweise Bluttransfusion an

Interessanter Rechtsfall ... eine Mutter hat unmittelbar nach der Geburt hohen Blutverlust und schwebt in Lebensgefahr. Die Mediziner wollen eine Bluttransfusion vornehmen, aber die Mutter lehnt ab. Grund: Sie ist "Zeugin Jehovas". Flugs geht die Klinik vor Gericht und der Richter ordnet die zwangsweise Durchführung der Transfusion an. Mit der (faktisch unanfechtbaren) Begründung, das Kind wäre ja sonst ein Waise. The court ruled the Coombe Hospital must put the interests of the child first and save the mother’s life. Da kann man sicher jetzt lange drüber diskutieren. Ich will im Moment nur meine ersten Gedanken etwas unsortiert einwerfen - sicher ist das Waisendasein hart und dem Kind nicht zu wünschen. Aber das Kind ist nicht vital gefährdet. Diese Gefährdung hat "nur" die Mutter, die sich der möglichen Konsequenzen ihrer Verweigerung auch bewusst zu sein scheint. Für mich endet Religionsfreiheit dann, wenn Dritte gefährdet werden ... was hier nicht unbedingt der Fall ist.

Wie auch immer: Ich hätte nicht in der Haut des Richters stecken mögen.

Was Hänschen nicht lernt ...

... lernt Hans nimmermehr! Deswegen will man jetzt in die nordirischen Lehrpläne den "richtigen Umgang mit Geld" aufnehmen. Unter anderem soll den lieben Kleinen von staatlicher Seite beigebracht werden, dass man auch preisbewusst einkaufen kann und dass Handygespräche wirklich Geld kosten. Ich erinnere mich, dass man solche Themen früher eher den Eltern überlassen hat. Andererseits ... mein Vater konnte mir auch kein Latein beibringen, da er selber unbeleckt von dieser Sprache durch das Leben ging. Also musste mir Frau Ruhtz das beibringen. Aus dieser Sicht ist es vielleicht ganz gut, wenn jetzt Mathematiklehrer den Schulkindern den Umgang mit Geld lehren ...

Mittwoch, 20. September 2006

Wer war wann Nummer 1?

Eine neue Webseite haben Larry Gogan und die IRMA ins Netz gestellt ... die Geschichte der irischen Charts! Da kann man nun suchen, wer wann Nummer 1 war. Nett! Ich sehe also meinen 18. Geburtstag an ... "Tragedy" von den Bee Gees. Ha-ha-bloody-ha! Aber ein nettes Spielzeug. Was mich nun wieder nervt: Man kann nicht die kompletten Charts einsehen, eben immer nur die Nummer 1. Und der absolute Horror sind die Top 20 of all Time ... ganz oben ist Prinzessin Dianas Lied vom Tod, mit dabei sind so musikalisch wertvolle Künstler wie Six (who?), Eiffel 65 (häh?), Las Ketchup (so'n Quark!), Richie Kavanagh (let's hear it for de culchie!) und DJ Kotzi (oder so ähnlich ...). Gruselig! Was ich nun wieder interessant finde sind die Weihnachtshits ... wer würde dort Thin Lizzy und Dermot Morgan vermuten ... oder Boney Ms "Belfast". Sowie zweimal "Bohemian Rhapsody" (BTW: Sorry you missed your 60th birthday, Farrokh Bulsara!) und dreimal "Do the know it's Christmas?"

Kinder, Kinder ...

Heute im Irisch Examiner zu lesen: Kinderbetreuung verschluckt durchschnittlich 30% des Familieneinkommens. Kein Wunder, dass Mutti da arbeiten gehen muss ...

Golf-Sturm

Heute morgen umwehte mich nicht der Mantel der Geschichte, sondern ein sanfter Hauch balsamartiger Luft. Okay, es war eine kräftige Brise warmer, feuchter Luft, der Ableger eines Tropensturms. Zuletzt hatte ich solche Luft in Texas erlebt ... Ist aber egal. Denn dieser Wind hat jetzt dazu geführt, dass die Trainingsrunden beim Ryder Cup 2006 erstmal abgebrochen und der K Club für Besucher (und sogar Medien) gesperrt wurde. Chaos. Seit 10:00 Uhr ist der K Club nun wieder geöffnet ...

Dienstag, 19. September 2006

Richterin ordnet Schutzhaft für 13jährige an

Die Geschichte ist schier phantastisch - gestern wurde in Blanchardstown ein etwa 13jährige Mädchen aufgegriffen, dessen Identifizierung sich als etwas schwierig herausstellte. Keine ihrer Angaben stimmte und die vermeintliche Wohnung war von anderen Iren benutzt, der vermeintliche Vater hatte seine Tochter sicher in der Schule und tauchte auch folgerichtig nicht im Gericht auf, die angebliche Lehrerin gab es in der Schule nicht ... vor diese Probleme gestellt ordnete Richterin Miriam Malone Schutzhaft an. Man konnte das Kind ja nun nicht wieder auf die Strasse schicken! Ein umfassender Bericht findet sich hier. Hat schon jemand Fox Mulder kontaktiert ...?

Tupac Logan

Jawoll, Tupac Amaru Shakur ist seit zehn Jahren tot! Respect, man! Aber Irland hat ja jetzt Tupac Logan ... die neueste Inkarnation von Eurovisions-Serientäter Johnny Logan. Zusammen mit dem Rapper Kaye Styles (whoeverthefeckheis) legte er jetzt angerappte Hip-Hop-Versionen von "Hold me now" und "What's another year" vor. Mehr Informationen dazu auf der offiziellen Johnny-Logan-Heimatseite. Als nächstes dürfen wir dann wohl folgende Alben erwarten: "The Boss" (Daniel O'Donnell mit Bruce Springsteens grössten Hits), "Sweet Child of Mine" (eine Guns'n'Roses-Retrospektive von Westlife) sowie "Rivermetal" (Lordi und Bill Whelan in Kooperation).

Montag, 18. September 2006

"Chaos, Chaos, wir sind die Kinder Maos"

... so schrie man früher, wenn man demonstrativ den Verkehr lahmlegte. Muss das Motto der irischen Verkehrsplaner sein. Und Polizisten. Und Politiker. Heute jedenfalls gab es wieder eine Glanzleistung: Die Spieler des Ryder Cup 2006 wurden von Dublin nach Kildare gebracht. In VIP-Bussen. Mit Garda-Eskorte. Und trotz dieser Eskorte schaffte man es, auf der M50 in einen Stau zu kommen und dort ein Teepäuschen einzulegen. Grossartig ... so sahen dann die weltbesten Golfer endlich auch 'mal, wie es Joe Bloggs jeden Tag geht. Wer sonst noch Informationen zum Thema Ryder Cup 2006 und Verkehr benötigt, dem sei der Gang auf die Webseite der AA empfohlen ...

Im Radio gehört ...

Anruferin: "Ach, ich laufe jeden Morgen ... eine Viertelstunde ... drei Kilometer ... oder wie man früher sagte, fünf Meilen." Die Frau hat zwar gewisse mathematische Probleme, scheint aber recht flink zu sein. In Meilen gesehen zumindest.

Klasse war aber auch ein morgendlicher Dialog um Briefmarken, begonnen von einer Moderatorin: "Mein Vater möchte die neuen Briefmarken vom Ryder Cup haben ..."
Co-Moderator: "Ist Dein Vater Philatelist?"
Moderatorin: "Um Gottes Willen ... Nein! Er sammelt nur Briefmarken ..."

Jordans Kind ist ein Fettsack

OK Magazine hat Jordan auf dem Titel - ihre pneumatischen Brüste werden jedoch von einem fetten, farbigen Kind verdeckt. Schlagzeile dazu: "Mein Harvey ist erst vier Jahre alt und wiegt schon sieben Stone!" Wie schön ... Aber nun 'mal ehrlich: Jordans Blagen wiegt also satte 45 Kilo. Und sieht (mit allem Verlaub) wie eine abschreckende Werbeaufnahme für eine Antifettleibigkeitskampagne aus. Wer will so einen fetten Fratz sehen? Wie weit herunter geht es mit dem Celebrity-Cult noch?

Sonntag, 17. September 2006

Mayo hat es (wieder) nicht geschafft

Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn die Jungs aus Mayo den Footballtitel aus dem Croker geholt hätten, nach über fünfzig Jahren endlich 'mal wieder. Stattdessen entschied heute Kerry ('mal wieder) das All Ireland Final für sich. Gratulation! Endstand: Kerry 4-15, Mayo 3-5.

Kampfgruppe Süd - eine irische Geschmacklosigkeit

Kürzlich stolperte ich im Internet über die "Kampfgruppe Süd", einen Reenactment-Verein im südlichen Irland. Nun habe ich grundsätzlich nichts gegen Reenactment oder living history, aber die Truppe geht mir doch auf den Senkel. Warum? Weil die freundlichen Iren sich gerne am Wochenende als Angehörige der Waffen-SS verkleiden! Politisch sind sie ja nicht, betonen sie auf ihrer Webseite, und die Wahl der "Liebstandarte" (sic!) sei deswegen erfolgt, weil man eben geeignete Fahrzeuge habe. Boys, have I got news for you - you're talking b******t! Allein durch die Wahl der Einheit macht man ein politisches Statement, und viel direkter als die "Leibstandarte Adolf Hitler" kann man nicht sein!

Die "Leibstandarte" war nämlich keinesfalls eine "Liebstandarte" (übrigens ein beliebter Fehler im englischsprachigen Raum, die Sprachbeherrschung zeigt sich auch am Titel "Kampfgruppe Sud"), sondern immer mit an vorderster Front, auch was Kriegsverbrechen anging. Die reihenweise Erschiessung von britischen und amerikanischen Kriegsgefangenen ist vielleicht ein Indiz für die Ideologie der Truppe. Was die Iren nicht davon abhielt, im vollen SS-Ornat einen Ardennen-Fototermin zu machen ... Die Begründung, man habe eben passende Fahrzeuge, ist so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass sie lächerlich wirkt. Die "Kampfgruppe Süd" verfügt über Kübelwagen, Motorradgespanne, einen Opel "Blitz" und ein Halbkettenfahrzeug - alles Standardausstattung und keineswegs "Leibstandarte"-spezifisch. Man hätte damit jede deutsche Einheit nachbilden können. Die Wahrheit dürfte doch wohl eher sein, dass man sich als "Elitetruppe" etablieren wollte. Oder dass einem die Tarnanzüge der Waffen-SS einfach besser gefielen. Oder dass man einfach einen Kick daraus bekam, böse Nazis zu spielen.

Vielleicht verstehe ich die Truppe aber auch nur falsch. Gibt es eigentlich eine Reenactmentgruppe "Black and Tans" irgendwo ...?

Was kostet telefonieren nun wirklich?

www.callcosts.ie ist eine neue Website der irischen Aufsichtsbehörde für Telekommunikation (comreg)und versucht, Licht in den Gebührendschungel zu bringen. Indem man Preise auf verständliche Weise miteinander vergleicht. Was ja in der Werbung nicht unbedingt immer der Fall ist - ich etwa liebe vermeintliche Sonderangebote, die sich dann auf das Telefonieren nach Nepal am 30. Januar von 22:00 bis 22:30 Uhr beziehen.

Wahlkrampf in Irland

Es geht in Irland auf Wahlen zu ... nachdem man ja festgestellt hatte, dass Massen an Bürgern gar nicht auf den Wählerlisten stehen, ziehen jetzt Helfer von Haus zu Haus und überprüfen die Listen "live". Bei uns war es dann so, dass She-who-must-be-obeyed auf der Liste stand, ich aber nicht. Na, dann tragen wir das schnell ein, meinte die Wahlhelferin ... und *schwupps" stand ich auf der Wählerliste. Ohne Überprüfung meiner Identität, ohne jeden Nachweis des Wohnsitzes. Als ich dann gefragt wurde, ob hier nun noch andere Wahlberechtigte leben, hatte ich kurz die Idee, Kasper und Kobold anzumelden. Die Kater. Gut, ich habe es mir verkniffen. Aber generell empfand ich das Vorgehen zur Korrektur des Wahlregisters dann doch etwas lax. Anyway: Die vorläufigen Resultate der Volkszählung haben gezeigt, dass die Wahlkreise Irlands eine Fiktion sind. Eigentlich sollen ja immer genau die gleiche Zahl von Bürgern einen Abgeordneten wählen. In Dublin etwa ist das nicht der Fall - in Dun Laoghaire sitzen 10.000 weniger Menschen in einem Wahlkreis, in Dublins Westen dafür 20.000 Menschen mehr. Der eher konservative Süden ist also überrepräsentiert. Nun hat aber ein Jurist entschieden, dass man das vorläufige Ergebnis der Volkszählung nicht als Grundlage nehmen könne, sondern das Endergebnis abgewartet werden muss. Was eine Reform der Wahlkreise vor der nächsten Wahl unmöglich macht. Was wahrscheinlich der Regierungskoalition Vorteile bringt. Wachsen in der Republik Irland eigentlich Bananen? Aber genug davon, denn Fine-Gael-Chef Enda Kenny kann noch mit ganz anderen Tricks aufwarren. Bei einem Parteikongress in Sligo zauberte er den Labour-Obergenossen Pat Rabbite als Gastredner aus dem Zylinder. Womit FG und Labour ihr Wahlbündnis weiter festigten. Ob's was nützen wird?

Samstag, 16. September 2006

Zwischen NY und Mexico City ...

... sitzt man gewissermassen in der Epicurean Foodhall, ein überbauter Innenhof an der Ecke Abbey Street und Liffey Street. Ein kulinarischer Tipp für Dublin-Besucher (und dort lebende Menschen). Geboten wird neben Fish & Chips sowie Bangers & Mash: Bagels frisch aus New York bei itsabagel (... nicht kosher, aber gut), Mexikanisches bei Taco-Taco gegenüber (und das ist kein Tex-Mex Allerweltsessen), italienische Küche bei La Corte, Französisches von Christophe, "Asian Street Food" bunt gemischt und der vielleicht beste Doner in Dublin. Plus Süsses, Kaffee in allen Variationen ... Hungers braucht hier niemand zu sterben. Eher wird man von der grossen Auswahl erschlagen.

PS: Ich kriege hier keine Werbegelder für diesen Tipp - der kommt von Herzen. Oder aus dem Magen. Auf jeden Fall ehrlich.

Freitag, 15. September 2006

Tourismus im Aufwind?

Das Central Statistics Office (CSO), von manchen Menschen auch als Irlands staatlich bestellte Märchenerzähler geschmäht, hat festgestellt: Irlands Tourismus ist wieder auf dem aufsteigenden Ast, die Zahl der Touristen soll hochgegangen sein. Da Irlands Wirtschaft nach wie vor äusserst stark vom Tourismus abhängig ist, kann man dies wohl als positive Meldung verbuchen. Nur mussten einige Medien gleich wieder in die Suppe spucken - von den rund 2.115.000 "Touristen" im zweiten Quartal diesen Jahres sollen rund eine Million "Migranten-Tourismus" betrieben haben. Also etwa Kasimir und Ewa aus Lodz, die endlich einmal ihren Sohn Lech in Dublin besuchen. Diese Besucher, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, lassen jedoch bei weitem nicht so viel Geld im Land wie herkömmliche Touristen - und wahrscheinlich sogar weniger als Hostel-harte Rucksack-Reisende. Was wieder zu der Vermutung führen könnte, dass der vom CSO verkündete "Tourismusboom" in etwa so lebendig ist wie ein amputierter, aber durch elektrische Stimulation noch zuckender Froschschenkel.

Gun Amnesty ... für Museumsstücke

Justizminister McDowells Plan zur Bekämpfung des Gewaltverbrechens in Irland beinhaltet bekanntlich auch eine Amnestie für illegalen Waffenbesitz. Nicht registrierte Schusswaffen können bei der Polizei eingereicht werden und die Sache ist gegessen - jedenfalls wenn der ballistische Befund keine bei einem Verbrechen benutzte Waffe identifiziert. Was bei der Masse der Waffen eher unwahrscheinlich sein dürfte, ballistische Untersuchungen bei Schrotflinten sind notorisch aussagelos. In den ersten zehn Tagen der "Gun Amnesty" wurden in ganz Irland insgesamt dreissig Waffen abgeliefert, neben einer grossen Menge an Schrotflinten auch Startpistolen, Luftgewehre, Theaterwaffen, sogar eine Vorderladermuskete und eine wohl antike Armbrust. Und wie abenteuerlich das Routineleben sein kann, das erfuhren die Gardai in Cork. Sie holten gerade einen alten Revolver ab, als dessen Besitzer fragte: "Und dann habe ich noch das hier - wissen Sie, was das ist?" Die eiligst herbeigerufenen Bombenräumer der irischen Armee entsorgten die scharfe Sprenggranate dann fachgerecht ...

Limerick's Finest

Nachdem Limericks Vigilanten angekündigt hatten, bei ergebnislosen Ermittlungen der Garda selbst die Sache in die Hand zu nehmen (als Komplettpaket von Fahndung bis Bestrafung), haben sich drei Jugendliche der Polizei gestellt. Sie wurden jetzt wegen dem brutalen Brandanschlag vom Sonntag dem Haftrichter vorgeführt. Bei der Haftverhandlung raunte eine Zuschauerin dem vor ihr stehenden Angeklagten zu, es gäbe nichts, wofür er sich schämen müsse. Entschuldigung, habe ich da falsch gehört? Der 17jährige Bengel hat absichtlich ein Auto angesteckt, in dem zwei unschuldige und hilflose Kinder sassen. Beide Kinder trugen schwerste Brandverletzungen davon, das Überleben ist bislang noch keineswegs gesichert. Und dafür braucht man sich nicht zu schämen? Man sollte die Frau an ihre Vorbildfunktion erinnern - indem man sie gleich mit einbuchtet, damit sie zumindest noch als abschreckendes Beispiel dienen kann. Wie hirntot kann man eigentlich durch's Leben gehen?

Betablogger

Nachdem Irland Inside heute morgen eine Zeitlang nicht erreichbar war, sind wir auf die Beta-Version des neuen Blogger migriert und *schwupps* ging es wieder. Sorry für eventuelle emotionale Krisen während der Nichterreichbarkeit. Und Danke an Kane (jetzt mit eigenem Emigrationsblog), der mich auf die rettende Idee brachte ...

Donnerstag, 14. September 2006

CSI Dublin (The Comedy)

Sensationelles weiss ein Boulevardblatt über die Ermittlungen in einem Dubliner Mordfall zu berichten. Eine junge Mutter war in ihrem Haus brutal umgebracht worden. Die Garda tappt vollkommen im Dunkeln in Sachen "wer" und "warum", aber sonst macht man doch beachtliche Fortschritte. So zumindest laut Zeitungsbericht des "Irish Daily Mirror", der eine ominöse "Garda source" zitiert.

Das Fehlen von DNS-Spuren hat die Polizei wohl zu der Annahme gebracht, dass der Täter sich vor der Tat komplett rasiert und gründlich gewaschen hatte (Gerry "Mutimord" Ryan sofort messerscharf im Radiosender 2fm: "That's what Islamic extremists do ..." Get a life, Gerry Ryan!) und dann splitternackt auf sein Opfer wartete. Dieses Wissen um die Vermeidung von DNS-Spuren habe sich der Täter äusserst raffiniert durch Webseiten zu forensischer Technik angeeignet. Wobei er seine Spuren durch die Nutzung von Internet-Cafés verwischt habe. Ganz ehrlich gesagt: Wenn das das ernsthafte Ergebnis der Garda-Ermittlungen ist, dann sind einige Leute dümmer, als die Polizei erlaubt!

Keine DNS (ausser der des Opfers) am Tatort ist praktisch unmöglich - es sei denn, in einem klinisch sterilen, bislang unbenutzten Raum. Ansonsten findet man immer DNS, immer. Nur kann es vorkommen, dass man keine Fremd-DNS, also eben nicht erklärbare Spuren, findet. DNS von Freunden und Verwandten ist erklärbar. In diesem Fall dürfte es sich also entweder um keine Fremd-DNS handeln, den vom "Mirror" angedeuteren menschlichen Über-Übeltäter ... oder ein Alien oder übernatürliches Wesen als Meuchelmörder. Nimmt man die bahnbrechende Erkenntnis dazu, dass die weitaus meisten Morde innerhalb des näheren Bekannten- oder gar Verwandtenkreises passieren, könnte man natürlich sofort den vollkommen unbekannten und absolut perfekt agierenden nackten Rasierten als potentiellen Täter identifizieren.

Geradezu grotesk ist auch der Teil mit der verdeckten Internetrecherche - in Zeiten, in denen alle CSI-Serien sich höchster Beliebtheit erfreuen, "Cracker" wieder ins Haus steht und sogar "Quincy" noch im TV läuft, dürfte forensische Forschung im Internet ein nicht unbekanntes Such- und Lesethema sein. Nur wie will die Garda dies verfolgt haben? Die Guards können noch nicht einmal ihre eigenen Computersysteme komplett zum Laufen bringen ... und da will uns der "Mirror" weismachen, dass man eine Internetspur in diverse Internetcafés zurückverfolgt hat? Ich lache! Von welcher der Tausenden von Wenseiten zur Forensik denn? Und weiter gefragt: Wenn man denn nun weiss, von welchen Internetcafés wann und wie lange Forensik studiert wurde, konnte man das nicht mit Überwachungskameras korrellieren? Ah, ich vergass - die meisten sind Attrappe oder kaputt.

Nein, nein, nein - diese Story ist einfach von einem phantasiebegabten Journalisten erfunden worden. Wobei es rasierte nackte Täter bereits reichlich in fiktionalen Werken gab. Auch daher könnte die Inspiration gekommen sein. Sollte die Garda die Ermittlungen in dieser Richtung fortsetzen wollen, empfehle ich die dringende Fahndung nach Menschen, die Krimis gekauft haben. Aber wahrscheinlich hat der Täter die Bücher ganz verschleiernd in verschiedenen Läden gekauft und perfiderweise bar bezahlt. Wenn man nicht die Bestellung des Buches "How to Murder a Woman in her Home" beim Onlineversand für Triebtäter und Psychopathen findet ...

Neu - Geschenkeservice im Irish-Shop

Okay, ich bin nicht ganz unschuldig dran ... der Irish-Shop bietet jetzt einen Geschenkeservice für die Lieben daheim. Was ich Klasse finde ist die Idee, bei Eingang der Bestellung Oskar in den Keller zu schicken, um eine keltische Grusskarte kalligraphisch zu gestalten. Wie? Das machen nicht dem Chef seine Kinder? Egal - macht was her. Und zumindest für mich eine günstige Alternative, einmal etwas Irisches an die bucklige Verwandschaft zu schicken. Bei An Post zahle ich ja mehr für Porto als für jedes Geschenk!

Irish Times - Sex auf dem Titel

Etwas unglücklich empfanden viele Kommentatoren das heutige Titelfoto der Irish Times zum Thema "Junior Certificates". Man zeigte eine Reihe von Teenagern in extrem kurzen Röckchen. Mein Gedanke: "A Paedophile's Wet Dream" ...

I Don't Like Mondays ...

Manchmal kommen Sachen einfach sinnvoll zusammen, wie schon C.G. Jung feststellte - gerade war ich noch in das Werk der Boomtown Rats vertieft, da kommen im Radio die Nachrichten aus Kanada. Wo ein Trenchcoat-Träger ein Schulmassaker anrichtete. Was mich sofort wieder zu "I don’t like Mondays" brachte. Bevor Bob Geldof einer der Schutzheiligen Afrikas wurde und das Lied effektvoll auf Benefizkonzerten unterbrach (".... for the lesson today is how to die!"), bevor Michael Moore sich mit Columbine befasste, bevor in Dunblane und Erfurt durchgeknallte Menschen metzelten (ich nehme den Irren mit dem Flammenwerfer damals in Köln 'mal aus) ... vor allen diesen Ereignissen machte das Lied der Boomtown Rats Schulschiessereien zum Thema. Aber davon einmal abgesehen: Der Song war schlichtweg ein Klassiker seiner Ära. Und ist auch heute noch ein verdammt gut geschriebenes und aufgenommenes Lied. Musste ich einfach 'mal anmerken. Warum? What reasons do you need ...?

Steve Irwin ... ich kann's nicht mehr hören!

Hat nix mit Irland zu tun. Geht um den Australier, der dem Rochen zum Opfer fiel. Muss ich jetzt aber verlinken. Weil der Spiegel mir hier voll aus der Seele spricht!

Kleine Änderungen machen den Unterschied

Zwei Autos standen heute im Dubliner Stau vor mir, beide stammten von einem Nissan-Händler in der Prussia Street (Dublin 7). Das ältere Auto warb für die Firma MOTORVA£UE, das Auto jüngeren Datums für die Firma MOTORVALU€. Nicht dumm! Schlechter dagegen musste ich ein Werbeschild einstufen, dass folgenden Service anbot: "Punctures only € 5" Ja, ich weiss, Erbsenzählerei vielleicht - aber ein Loch im Reifen wäre mir keine fünf Euro wert. Die Reparatur desselben dagegen schon.

"Twelve Songs in a Row"

So lautet der neueste Werbespruch beim RTÉ-"Jugendsender" 2fm. Der Sender, auf dem die Rentnerriege herrscht ... der Tag beginnt mit Marty Whelan (weisse Haare), dann kommt Gerry Ryan (der nur noch lebendig wird, wenn er 'mal wieder eine Weinprobe machen darf), dann schon bald Larry Gogan (der definitiv das Rentnerimage pflegt). Nachdem nun festgestellt wurde, dass 2fm scharenweise Hörer verliert, weil man die Zielgruppe nicht klar definiert und weil man einfach zu viel quasselt ... kam jetzt also die Sache mit den zwölf Songs in Reihe. Selbst mit klassischen 45ern würde das rund 36 Minuten Musik in der nächsten Stunde bedeuten, abzüglich rund zehn Minuten Nachrichten und Sport sowie vier Minuten Verkehrsmeldungen blieben etwa von 7:00 bis 8:00 Uhr noch zehn ganze Minuten für Werbung und Moderation. Der Quasselanteil beim Sender liegt aber weit über 1/3 der Sendezeit. Einmal ganz offen gefragt: Wen will RTÉ mit dem neuen Werbespruch eigentlich verarschen? Andererseits heisst "Twelve Songs in a Row" ja auch nur, dass man in unbestimmter Zeit und mit oder ohne Unterbrechung zwölf Musikstücke mehr oder minder komplett hintereinander spielen wird, nicht alle auf einmal eben. Vielleicht war das ja gemeint?

Aber warum erfindet sich 2fm nicht sowieso langsam neu? Der Sender hätte die richtige Mannschaft für ein Programm aus AOR, Singer-Songwriters und Exotischem. Stattdessen versucht man, mit den Pussycat Dolls unmittelbar nach Paul Simon Hörer zu gewinnen, nur um danach wieder Westlife zu nudeln. Mish-mash heisst das auf Yiddish. Und hat noch nie für Erfolg gesorgt.

Mittwoch, 13. September 2006

Limerick - A Tale of two Burned Kiddies

Was am letzten Wochenende in Limerick abging stellt alle bisherigen Schlagzeilen in den Schatten: Zwei Kinder im Alter von vier beziehungsweise sechs Jahren mussten in einer sozialschwachen Gegend schwer verletzt aus einem brennenden Auto gerettet werden. Angeblich sollen Jugendliche das Auto mit Absicht und mit Wissen um die Kinder darin in Brand gesteckt haben. Im Rahmen einer der in der Gegend üblichen Familienfehden, die ihren Ursprung in Nichtigkeiten haben und die regelmässig mit Blutvergiessen enden. Die Ermittlungen laufen noch, doch wenn sich dies als wahr herausstellt, dann lasse ich alle Liberalität fallen und fordere die Einbuchtung der Täter bis zum Lebensende. Ohne Aussicht auf Begnadigung, ohne besondere Vergünstigungen, ohne speziellen Schutz, ohne Besuchsrechte ... aber mit harter, stupider Zwangsarbeit. Das ist mein voller Ernst. Und irgendwelches Geschwafel von der Resozialisierung solcher Scumbags können sich ach-so-betroffene Gutmenschen für Mitbürger sparen, die ihnen zuhören. Irgendwo ist Schluss mit lustig. May they rot ...

Der Traum vom eigenen Dreckloch in Irland

Kleine kalte Dusche für alle jene Irlandfans, bei denen "Wohnen in Irland" synonym mit einem kuscheligen Reetdach-Cottage inklusive Zentralheizung, zwei Bädern und viel Platz ist: Rund ein Drittel aller inspizierten Mietobjekte in Irland sind eigentlich nicht zumutbar! Das streicht Threshold im Jahresbericht 2005 hervor. Jetzt wird eine Art NCT für Mietwohnungen gefordert ... naja, ob da jemand (ausser den Mietern und Threshold natürlich) ernsthaft dran interessiert ist? Ich glaube kaum - denn wenn in Waterford gerade einmal drei Mietobjekte pro Jahr inspiziert werden, in Limerick sogar praktischerweise gar keine, dann sagt das schon einiges aus ...

Robert Houlihan - Was passierte wirklich in Midleton?

Diese Woche begann endlich der "inquest" in den Tod Robert Houlihans. Sie erinnern sich vielleicht: Der Schüler galt tagelang als verschwunden, dann wurde seine versteckte Leiche gefunden, dann sein "bester Freund" und Nachbar Wayne O'Donohue verhaftet und schliesslich wegen der Tötung "ohne Absicht" zu gerade einmal vier Jahren Haft verurteilt. Beim abschliessenden "victim's statement" öffnete Roberts Mutter Majella dann die Büchse der Pandora und berichtete unter anderem von Spermaspuren, die im Prozess einfach unterschlagen wurden. Man konnte den Eindruck bekommen, dass sich der Staat auf einen geständigen Totschläger zurückzog, um nicht einen komplizierten Sexualmord-Prozess führen zu müssen. Jetzt beim "inquest" aber wird der Fall ganz losgelöst vom Strafprozess wieder aufgerollt ... und der "coroner" wurde sofort mit den ominösen Spermaspuren konfrontiert. Lebendig, das wissen auch die Houlihans, wird Robert nicht wieder - aber vielleicht kann man ja der Wahrheit näherkommen. Denn im Strafprozess blieben einfach zu viele Fragen offen.

Dienstag, 12. September 2006

Brian O'Driscoll beim Friseur

Irlands Rugbyidol Brian O'Driscoll wurde beim Friseur gesichtet. Drei Stunden hat er sich das Haupthaar legen lassen. Berichteten jedenfalls die Zeitungen. Was ist es mit dieser "celebrity culture"? Warum muss ich wissen, wie gross Glenda Gilsons Möpse ohne Chirurgie wurden, wie oft wer in Lily's Bordello auf's Klo ging und wie Eamon Dunphys Haus eingerichtet ist? Oder eben wie lange ein stämmiger Gnom aus Dublin 4 beim Friseur hockt? Interessiert das irgendeine Sau? Offensichtlich ja ... was mich zu der Frage bringt, ob das Volk keine anderen Sorgen hat. Offensichtlich nicht. I don’t get it. Und dann noch die Aufregung, weil angeblich Michael "Wacko Jacko" Jackson in der Buchhandlung Hughes & Hughes in Dun Laoghaire gesehen wurde. Vielleicht hat er sich ja "Finnegan's Wake" zugelegt, um sich zu einem neuen Album inspirieren zu lassen. Oder "Ulysses", denn schon Leopold Bloom sagte sich ja in dem Buch: "Beat it!"

Näher, mein Gott, zu Dir ...

Eine 59jährige Dublinerin ist seit Mittwoch verschwunden, spurlos. Auf einer Marienwallfahrt in Medjugorje ... jetzt suchen örtliche Behörden und sogar irische Friedenstruppen nach der Frau, die ohne Papiere aus dem Hotel spazierte und verschwand. Mir kam makabrerweise sofort ein Gedanke: Was, wenn die Frau so fromm war, dass sie Maria gleich direkt in den Himmel aufgenommen wurde?

Montag, 11. September 2006

It's Christmas Time ...

... there is all need to be afraid! Es ist Anfang September (was einem schier endlose und in der Essenz vollkommen nichtssagende 9/11-Programme im TV deutlich klarmachen)! Nicht genug, dass die Läden schon voll mit Halloween-Kram sind. Nein, in Dublin hsben die ersten Läden die ersten Weihnachtssachen im Fenster. So etwa bei Tierneys Gift Shops im Blanchardstown Centre. Eine Weihnachtseisenbahn, hoho-f*cking-ho! Liebe Ladenbesitzer, ich habe eine Botschaft an Euch: Wir haben noch nicht einmal Herbst, Weihnachten liegt traditionell eher im Winter. Besorgt Euch einen Kalender. Und von der irischen Regierung fordere ich ein Gesetz, dass alle mit Weihnachten zusammenhängenden Dekorationen bis zum 1. Dezember und nach dem 6. Januar unter Strafe stellt. Das sollte die UN dann weltweit (mit orthodoxen Anpassungen natürlich) übernehmen und den Iran mit der Überwachung betrauen. Bah! Humbug!

Al Totting - ein bayerischer Heiliger?

Kennen Sie Al? Nicht Al Bundy, Al Capone oder Al Martino. Al Totting. Kennen Sie nicht? Mensch, sogar Benedikt XVI (Papa Ratzi) kennt ihn und pilgert zu ihm. So berichtet RTÉ heute zumindest mit der denkwürdigen Schlagzeile: Pilgrims welcome Pope to Al Totting shrine!

McDowells Machtergreifung

Nu' isses passiert: Justizminister Michael McDowell ist über interessante Kuhhandel (seinen Konkurrenten wurden für den Rückzug der Kandidatur hohe Parteiposten versprochen, ganz demokratisch) der einzige Kandidat für die Harney-Nachfolge geworden und somit ist seine Ernennung zum Parteiführer nur noch Formsache. Man wollte, so die designierte Vizevorsitzende Liz O'Donnell in einem Interview, so kurz vor der Wahl die Progressive Democrats nicht spalten und hat so ganz progressiv auf eine Wahl verzichtet. Während Mary Harney Gesundheitsministerin bleiben wird (... Jubel bleibt aus ...), ist die Ernennung McDowells zum Tanaiste (Thronfolger, also Vize-Bertie) ebenfalls reine Formsache und soll wohl am Mittwoch erfolgen. Was sehne ich mich doch nach Mannheim am 16. November 1995 zurück ...

Sonntag, 10. September 2006

Rebels besser im Rock

Nachdem Cork vergangenen Sonntag im Hurling unterging, konnten die Camogie-Spielerinnen heute den irischen Titel für das "Rebel County" holen. Endstand Cork 0-12, Tipperary 0-04. Ob sich Sean Og jetzt die Haare langwachsen lässt, die Beine dazu glattwachsen und die Sportart wechseln wird? Ne, das wäre dann doch wohl zuviel ...

Energie für die Armen

Bertie will den Armen mehr Strom geben. So jedenfalls eine Pressemeldung von heute. Statt bisher 1800 Einheiten Strom (pro Jahr) sollen Sozialhilfeempfänger 2400 Einheiten bekommen. Womit dann die erwarteten 20% Preissteigerung aufgefangen werden. Fein ... generell gesagt ... aber ich verstehe die Logik hier nicht ganz. Wäre es nicht vielleicht besser, die Einkommensgrenze für den Empfang dieser Subventionen hochzusetzen?

Das Zeitalter der Backpacker ist vorbei!

Backpacker, also die Spezies Mensch mit dem Rucksack und einem halben Hausstand darin, sind im Aussterben begriffen. Na gut, vielleicht übertreibe ich etwas, aber sie werden seltener. Heute versucht man sich eben nicht mehr mit dem Rucksack in Bahn und Bus durchzuschlagen, man braucht für den No-frills-means-no-luggage-Flug das Handgepäck-gerechte Kompaktköfferchen. Was zu einer neuen Spezies führt ... ich nenne sie 'mal "Roller".


Ist Ihnen schon 'mal aufgefallen, dass man immer mehr Touristen begegnet, die den Stadtbummel mit einem Koffer machen? Meistens das unhandliche Teil auf Rollen hinter sich her ziehend. Auf unebener Strecke einen Höllenlärm verursachend. Und das von neun Uhr morgens bis zum Aufschlagen in der Unterkunft am späten Nachmittag. Jeden Tag in Dublin zu beobachten. Gibt es eine unpraktischere Art des Reisens?

Irland braucht einen neuen Starken Mann

Die Sunday Tribune hat eine Umfrage machen lassen und einmal nachgehakt, wen die Iren am Ruder haben wollen. Meister Bertie (FF) kam nicht so gut weg .... 52% können ihn nicht mehr in seiner Paraderolle als ahnungslosester Regierungschef der westlichen Welt ertragen. Allerdings stehen noch 43% hinter ihm und sein nächster Konkurrent Enda Kenny (FG) bringt es gerade einmal auf 29%. Vielleicht Zeit für einen neuen "Starken Mann"? Justizminister McDowell (PD) scheint ja schon im Rennen um die Parteileitung gut vorn zu liegen, warum also nicht die Führungsrolle in ganz Irland? Ein Volk, ein Recht, ein McDowell ... oder so. Für solch eine Tendenz spricht ja auch Umfrage Nummer Zwei -

Four in five want greater restrictions on immigrants. There is strong public support for hardline policies in relation to non-national residents in Ireland ...

Samstag, 9. September 2006

Asyl? Nur ohne Punkte ...

Einen neuen Plan soll der Minister für Law & Order hegen, um die Strassen Irlands sicherer zu machen - Ausländer, die ohne Versicherung oder andere Mindestbedingungen herumfahren, oder die unter Alkohol fahren, sollen kurzerhand ausgewiesen werden. Was für EU-Ausländer nicht gelten soll, die dürfen bleiben und werden herkömmlich bestraft. Was aber auch für Asylbewerber gelten soll. Moment, da stutze ich doch: Kann das ernsthaft bedeuten, dass ein Asylbewerber wegen eines simplen Verkehrsvergehens abgeschoben wird? Ich hoffe nicht! Sicher bin ich für die Bestrafung von Mitbürgern, die sich über die Verkehrsgesetze hinwegsetzen. Für mich wäre es jedoch der Hohn, wenn irgendein Deutscher in Irland besoffen und ohne Versicherung unbeleuchtet mit 100 km/h durch's Dorf brettern kann und im günstigsten Fall mit Geldstrafe und Fahrverbot wegkommt, ein Asylbewerber aber wegen abgelaufener Versicherung in den Tod geschickt wird. Und so krass könnte es enden. Aber solch eine Politik würde ich nicht einmal McDowell zutrauen ...

Cybertourists

Ich werde alt. Das erste Anzeichen ist der häufige Satzanfang: "Früher ..." Geschichten aus der guten, alten Zeit. Opa langweilt die Enkelkinder. Aber es ist doch wirklich so - früher ist man ganz einfach anders gereist. Als ich 1982 das erste Mal nach Irland kam, mit Interrail und Fähre, hatte ich eine Kamera mit zehn Diafilmen dabei (360 Fotos), habe vielleicht sechs Postkarten an Freunde und Verwandte geschrieben und ein paar Notizen mit Bleistift in einem alten Taschenkalender gemacht. Das reichte für vier Wochen. Heute gerate ich in mittlere Panik, wenn die Speicherkarte der Digitalkamera bei einem Wochenendausflug weniger als fünfhundert verbleibende Fotos signalisiert. Was mich jedoch zunehmend verwirrt ist der Typ des voll vernetzten Cybertouristen. Das Handy ist dabei Mindestausstattung - wie könnte man in Dublin überleben ohne Monika in Wanne-Eickel anzurufen und mitzuteilen, dass man gerade in Dublin ist? Oder Ringo vom Tennisclub schnell ein Handyfoto (oder gar ein grottenschlechtes Handyvideo) von den Tauben im St. Stephen's Green zu schicken? Das mit den Tauben würde ja noch gehen, wenn die Handyhalter stumm wären. Aber nein, man sitzt im Café und neben einem erschallt es: "Ey, Aldah, ich sitz grad hier und das geht voll krass ab hier, ey, Party und so, ey, voll tratt und volk und IRA, ey, geil, was? Ich ... lauter? Okeh ...." Und der ASBO-Kandidat legt noch hundert Dezibel drauf. Und warum um Gottes Willen schleppen Leute für sieben Tage "Seele baumeln lassen" nicht nur das Handy mit nach Connemara ... sondern auch den Laptop? Und ärgern sich dann, dass sie keinen WiFi-Hotspot im Moor finden. Und wehe der Mietwagen hat keinen CD-Player, man hat doch extra die halbe Sammlung Irish Folk mit ...

Geniesst die letzten warmen Tage, der Winter in Irland wird kalt!


Nicht die Klimaveränderungen auf unserem Planeten, sondern die Energiepreise werden dieses Jahr wohl viele Iren dazu bringen, etwas weniger zu heizen. Mag bei einigen Leuten ganz gut sein (Motto: "Wir heizen die Bude auf 32 Grad Celsius und machen dann die Fenster auf!"), bei Rentnern könnte das jedoch tödlich enden. Heute hat das ESB Preiserhöhungen um 19,4 % angekündigt. Bord Gais will, so munkelt man, den Gaspreis gar um weit über 30 % erhöhen. Dazu kommen die ohnehin wie tollwütig angestiegenen Heizölpreise und man weiss, warum der Winter kalt wird.

Freitag, 8. September 2006

Debütanten ... in vielerlei Beziehung

Derzeit ist wieder die Zeit der Debütantinnenbälle in Irland - schnieke herausgeputzt geht die Jugend das erste Mal offiziell auf einen Ball, das zieht sich die ganze Nacht hin und endet dann im Leisureplex beim Bowling oder auf dem Rasen hinter der Schule beim Poppen. Morgens sieht man die Reste der Feste vor sich hin taumeln. In Navan überraschte mich reichlich Volk auf der Strasse, um kurz vor sechs Uhr morgens. Das war ungewöhnlich viel. Der Grund kam dann später im Polizeibericht. Nachdem die Gardai in Navan und Umgebung kürzlich einen massiven Drogenring ausgehoben hatten, machten sie Razzien bei den Bällen. Und plötzlich begann eine Klospülungsaktion und viele kleine Päckchen fielen auf den Tanzboden. Dennoch wurden mehr als ein Dutzend "debs" und Begleiter inhaftiert - sie hatten unter anderem Kokain in reichlicher Menge bei sich. Irland 2006!

Reality Check bei Daily Ireland

Die republikanische Tageszeitung Daily Ireland macht dicht - so vermelden heute die Medien. Die Ausgabe vom 8. September wird nach rund zwanzig Monaten die letzte sein. Als Grund für die Schliessung gab Mairtín Ó Muilleoir von der Andersonstown News Group unter anderem an, dass Westminster Schuld ist. Denn schliesslich will die britische Regierung in dem Blatt keine Werbung machen und entzieht Daily Ireland so die wirtschaftliche Basis. Wobei ich das Vorgehen der Briten schon verstehen kann ... wann hat George W. Bush zuletzt in fundamentalistisch-islamischen Magazinen geworben? Anyway - republikanische Kreise werden dies jetzt schon wieder als Schlag gegen die Pressefreiheit ansehen, da bin ich mir sicher. Sehr komisch übrigens: Auf der Homepage der Zeitung kann man derzeit noch über der Abschiedsmeldung die Werbung für ein Abonnement lesen ...

Donnerstag, 7. September 2006

There's Something About Mary ...

Die Nacht der langen Messer (natürlich stilechte Keltendolche) hat begonnen - Mary Harney hat ihren Rücktritt als PD-Vorsitzende erklärt. Womit dann auch der Posten des Tanaiste (Thronfolgers) zur Disposition steht. Und die gesamte FF-PD-Koalitionskiste. Völlig überraschend kam Mary aus dem Urlaub zurück und stellte fest, dass sie keine Lust mehr hat. Was nicht unbedingt Trauer in breiten Bevölkerungsmassen hervorruft. Aber wohl Bertie kräftig aufschrecken dürfte. Innerhalb der Progressive Democrats hat das Gerangel um die Nachfolge schon begonnen. Buchmacher sehen ja "Luscious Liz" O'Donnell als Favoritin. Allerdings darf man auch mit Justizminister McDowell rechnen, der die Gelegenheit zum unblutigen Putsch sicherlich nicht ungenutzt vorbeigehen lassen wird. Es kann lustig werden im politischen Herbst.

Das Geld wird nicht mehr nachgeworfen ...

Viele Leute dürfte es kaum überraschen: Der irische Hausmarkt verlangsamt sich. Und zwar kann man das schlicht aus der Tatsache ablesen, dass der Boom der Hauskredite recht dramatisch am abflachen ist. Warum? Die Europäische Zentralbank hat die Zinsschraube angezogen und selbst Irlands Banken können so nicht mehr Billigkredite vergeben. So manches Investitionsmodell wird dadurch unattraktiv und es lohnt sich nur noch der Kauf für den Eigenbedarf.

Mittwoch, 6. September 2006

Ryanair: Die Jubelperser schlagen zurück ...

No-Frills-Flieger Ryanair wollte 'mal wieder cleverer als alle anderen sein ... bis ein Publicity-Gag mit einem Polizeieinsatz endete! Und in den irischen Tabloids die denkbar unangenehme Schlagzeile "Riotair" erschienen liess. Was war passiert? Hier die Zusammenfassung der Berichte in den Tabloids:

O'Leary und Konsorten hatten wohl in Spanien eine grosse Demonstration gegen die Konkurrenzfirma Iberia in die Wege geleitet. Damit sollte Volkes Wille (also Ryanair) eindrucksvoll zur Schau gestellt werden. Und um auch reichlich Volk zur Willenserklärung herbeizulocken, hatte Ryanair den ersten 500 Demonstranten Freiflugtickets versprochen. Gemeinhin nennt man sowas eine Werbeinszenierung und die ihren Willen äussernden Bürger dann "Jubelperser", nichts weiter. Als Demonstration in etwa so wertlos wie "spontane Dankbezeigungen" herbeigekarrter Menschen in den Slums irgendwelcher Bananenrepubliken.

Dann aber setzte bei der Anti-Iberia-Demonstration die Realität ein - das spanische Volk war in Massen dem Ruf Ryanairs gefolgt. Und die 500 Tickets waren schnell weg. Was den Rest der Möchtegern-Jubelperser nicht zu weiterer, kostenloser Teilnahme an der "Demonstration" veranlasste, sondern zu einer wirklich spontanen Manifestation echten Volkszornes. Unter derben Sprüchen und mit erhobenen Fäusten umzingelte man bedrohlich die einsame PR-Maus, die die Airline mit den Freiflügen in die Mitte der Menge geschickt hatte. Das Ende vom Lied: Spanische Polizei musste die Ryanair-Repräsentantin vor der erregten Reaktion der "Iberia-Gegner" in Schutz nehmen. So sehr man auch Mitleid mit der verängstigten Mitarbeiterin haben mag ... und vielleicht war auch alles ganz anders ... ich jedenfalls kann mich einer klammheimlichen Freude nicht erwehren, wenn es denn wirklich etwas mit den Jubelpersern auf sich hat. Dass die Schein-Demo mit bezahlter Claque so spektakulär in die Hose ging. Und dass Ryanairs zweifelhafte Methoden so richtig publik wurden.

Ach so ... bei Ryanair selbst waren die "spin doctors" schon am Werk und haben die "riots" aufgegriffen ... vielleicht war der Zeitungsbericht ja auch einfach nur ein Missverständnis?

Man spricht Deutz (oder so)

Jürgen Kullmann hat's entdeckt, oder zumindest hat der Irelandman es publik gemacht - die neue "deutschsprachige" Webseite des Schafswollezentrums von Leenane. Und ihm gebührt Dank dafür, denn so etwas komisches ist seit Spike Milligan nicht mehr aus Irland exportiert worden. Offensichtlich wurde die englische Webseite durch ein einfaches Übersetzungsprogramm gejagt und dann ohne weitere Prüfung ins Netz gestellt. Das Ergebnis schwankt zwischen urkomisch und schlicht unverständlich, so dürfte man keinen deutschsprachigen Touristen anlocken können. Natürlich erhob sich prompt Protest gegen des guten Doktors publizistische Aktivität und die erheiterten Reaktionen darauf. So darf man mit "unseren Iren" (Irland als Schutzgebiet des Reiches?) nicht umgehen. Einfach sich lustig machen und keine Hilfe anbieten. Das ist nicht die feine Art, nein! "So effing wot" sage ich da nur ... mit ihrem Drang zum Sparen haben sich die Jungs und Mädels von Leenane den Spott redlich verdient.

Dienstag, 5. September 2006

Zu blöd? Macht nix ...

Man darf noch so dumm sein - die Allgemeinheit wird's schon richten! Dieser Gedanke kam mir bei der Pressemeldung, dass die Bank of Ireland jetzt abgezockten Mitbürgern ihr Geld zurückerstattet. Wie fein! Da fallen also Leute auf das sattsam bekannte "phishing" herein und wir alle (ich bin Kunde bei der BoI) dürfen sie herausholen aus dem Schlamassel? Nicht nur ein Finanzexperte meinte in einem ersten Kommentar, dass das wohl keine so geniale Idee der Bank sei ...

Sind Sie attraktiv ...?

Eine Untersuchung hat festgestellt, wann irische Männer und Frauen das jeweils andere Geschlecht attraktiv und begehrenswert finden ... nicht der grösste shlong macht das Rennen, sondern die dickste Brieftasche. Männer sollten € 50.000 im Jahr nach Hause bringen, Frauen doch mindestens € 42.000. Wen wundert es da, dass es so viele Singles gibt? Die Realität im Wirtschaftswunderirland sieht nämlich anders aus - der durchschnittliche Ire schleift am Monatsende knapp € 1.500 (also "€ 18k p.a. net") ins traute Heim, die durchschnittliche Irin gerade einmal € 1.075 (oder auch "€ 13k p.a. net"). Da kommt man noch nicht einmal zusammen auf den Betrag, den "sie" alleine bräuchte, um attraktiv zu sein. Back to the shlong then ... and the knockers.

Montag, 4. September 2006

T-Shirts für Religöse

Heute kam mir ein Mann entgegen, den ich 'mal so grob als "Pakistani" einordnen würde. An sich nichts besonderes, aber sein grünes T-Shirt zeigte Halbmond und Stern und dazu die Aufschrift "Don't Panic - I'm Islamic". Erstmal musste ich laut auflachen. Er grinste nur. Dann kam mir die Idee, dass man damit doch Geld machen könnte. T-Shirts für religöse Menschen. Ich kann schon die erfolgreichsten Modelle sehen. Etwa ein figurbetontes rosa Teil mit dem Spruch "This funky chick is Catholic!" Oder ein buntes Batikmuster mit "Don't be coy, I'm CoI!" für den happy-clappy-Pfarrer? Nur mit den Jungs um Reverend Ian wird es schwierig. Vielleicht ein hellgraues T-Shirt mit dunkelgrauer Aufschrift "PRESBYTERIAN (and that is no laughing matter)"?

Sonntag, 3. September 2006

The Cats beat the Rebels


Irlands Hurling-Meister 2006 sind die Kilkenny Cats - mit 1-16 setzten sie sich gegen Cork (1-13) durch. Nun kommt der Papst wohl doch nicht ins Rebel County ...

Reiki und der Fürst der Finsternis

Father Tom Ingoldsby weiss es - Reiki ist das Werk das Satan! Davor scheint der Gottesmann aus Portlaoise jedenfalls in einer katholischen Gemindezeitung zu warnen. Die japanische Heilmethode öffne dem Bösen schliesslich Tür und Tor ...

Wörtlich heisst es im klerikalen Blatt: "Many people today are falling for Reiki unaware that they are on a dangerous road, as once the door is opened to Satan, it is extremely difficult to get him out. People who go for a Reiki treatment are exposing themselves to occult forces which may give one a false sense of peace of mind or some type or temporary healing. Everyone should be warned that side effects can materialise later." Was hat den Geistlichen zu dieser Meinung gebracht? Nun, er hatte (wohl indirekt) einen Mann kennengelernt, der nach einer Reiki-Behandlung Migräne bekam. Und sich mit dieser Migräne an einen Priester wandte. Und dieser Priester stellte beim Gebet fest, dass die Migräne ihre Ursache in einem bösen Geist hatte, der beim Reiki in den Mann gefahren war. Wie sagt Father Tom weiter? Mehr und mehr Leute haben solche Probleme nach Reiki und benötigen dann "deliverance", also einen kleinen oder gar grossen Exorzismus.

Nun 'mal ganz ehrlich - durch Reiki fährt der Geist hinein, verursacht Migräne? Deren Ursache wird durch Gebet gefunden und dann mit christlichen Riten beseitigt? Also für mich klingt das ganz so, als ob man hier den Teufel mit Beelzebub austreiben würde ...

U-Bahn Station unter der O'Connell Bridge?

Angeblich soll jetzt die U-Bahn "Metro" vom St Stephen's Green bis zum Flughafen gebaut werden, so erste Presseberichte zur wohl am 15. September offiziell werdenden Planung. Geplant ist eine Metro-Station direkt am Terminal (wo ja angeblich eine ungenutzte Bahnstation schon steht ... unterirdisch). Und eine Innenstadt-Station unter der O'Connell Bridge. Wenn ich mir da die Sache mit dem Port Tunnel so durch den Kopf gehen lasse habe ich nur einen Kommentar: Jesus weeps!

Samstag, 2. September 2006

Ireland - 33 Counties United!

Was, 33 Counties? Das hat ja noch nicht einmal Republican Sinn Fein auf dem Programm ... okay, die 32 Counties gibt es eigentlich ja gar nicht mehr so - in Nordirland werden keine Counties mehr als Verwaltungseinheiten genutzt und in der Republik hat man Tipperary und Dublin zersplittert. Aber jetzt taucht plötzlich ein neues County auf. Offensichtlich die Heimstatt der "travelling community" ...



Man beachte die Ortsangabe des Importeurs: "County Caravan"! Ein neues Kapitel der schier endlosen Horrorstory "The Curse of the Spellchecker"?

Freitag, 1. September 2006

Polnische Schule in Dublin?

Wie man heute lesen kann, soll nächstes Jahr eine polnische Schule in Dublin eingerichtet werden. Gute Idee! Die wahrscheinlich stärkste Immigrantengruppe braucht sowas dringend, denke ich zumindest. Bevor jetzt einige Menschen protestieren - es gibt über 120.000 Polen in Irland, aber wohl weniger als 10.000 Deutschsprachige und gerade einmal 2.000 Juden. Trotzdem gibt es in Dublin die deutsche Schule St. Kilian's und eine jüdische Schule. Also warum nicht auch eine polnische Schule (... gewissermassen in Ergänzung zum polnischen Bäcker, der hier schon grosse Brötchen backt ...)?